

Die internationale Männergesundheitsorganisation Movember hat einen neuen Bericht veröffentlicht, der auf Daten der deutschen PCO-Studie (Prostate Cancer Outcome) basiert. Diese ist Teil des umfassenderen TrueNTH Global Registry, einer weltweit einzigartigen Initiative, die von Movember ins Leben gerufen wurde, um die Prostatakrebsversorgung zu verbessern. In den vergangenen neun Jahren hat Movember weltweit mehr als 20 Millionen Australische Dollar in diese Initiative investiert, davon rund 991.000 Euro in Deutschland.
Movember verfolgt zwei zentrale Ziele: die Zahl der Männer zu senken, die an Prostatakrebs sterben, und die Lebensqualität nach der Diagnose zu verbessern. 2016 legte Movember den Grundstein für das erste internationale Prostatakrebsregister, das klinische Daten mit den Erfahrungen der Betroffenen verknüpft. Die Anschubfinanzierung der Organisation war entscheidend für den Aufbau des Registers und dessen nachgewiesenen medizinischen Nutzen.
Die deutsche PCO-Studie umfasst inzwischen Daten von fast 100.000 Männern. Für diesen neuen Bericht wurden die Angaben von 47.466 Teilnehmern ausgewertet – jenen, die die für die Auswertung erforderlichen Fragebögen vollständig ausgefüllt hatten. Insgesamt lieferten 162 Prostatakrebszentren Daten, was 80 Prozent aller zertifizierten Zentren im deutschsprachigen Raum entspricht.
Die Auswertung zeigt drei wesentliche Entwicklungen, die die Versorgung von Männern mit Prostatakrebs nachhaltig prägen.
1. Robotische Eingriffe dominieren zunehmend die Behandlung
Mehr als 80 Prozent der im Bericht berücksichtigten Männer wurden operiert. Der Anteil robotisch assistierter Eingriffe stieg deutlich – von rund 50–65 Prozent (2016–2017) auf 74 Prozent im Jahr 2024. Parallel dazu sank der Anteil offener Operationen auf 11 Prozent. Vor allem jüngere Männer erhielten häufiger robotische Eingriffe.
2. Operationen beeinflussen Sexualfunktion und Harnkontinenz
Rund 75 Prozent der Männer berichteten im ersten Jahr nach der Operation von einer deutlichen Einschränkung der sexuellen Funktion – besonders häufig jüngere Patienten. Nur 15 Prozent derjenigen, die vor dem Eingriff über eine ausreichende Erektion verfügten, hatten diese auch ein Jahr später noch.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Harnkontinenz: 62 Prozent hatten nach zwölf Monaten eine eingeschränkte Blasenkontrolle. Über 40 Prozent der vor der Operation kontinenten Männer benötigten ein Jahr später täglich Einlagen, wobei ältere Patienten besonders betroffen waren.
3. Patient-Reported Outcomes sind unverzichtbar für eine hochwertige Versorgung
Die systematische Erhebung patientenberichteter Ergebnisse macht sichtbar, wie stark Prostatakrebsbehandlungen den Alltag der Männer beeinflussen. Sie unterstreicht eine zentrale Botschaft: Gute Versorgung bemisst sich nicht allein am Tumorstadium – sondern daran, wie ein Mann nach der Therapie leben kann.
Sarah Weller, Global Director of Prostate Cancer bei Movember, sagt:
"Diese Daten haben die Forschung vorangebracht und die Versorgung messbar verbessert. Unser Dank gilt der Deutschen Krebsgesellschaft, dem Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe, OnkoZert, ClarData und allen 162 beteiligten Zentren. Sie teilen diese Vision seit neun Jahren mit uns – und werden sie weiter vorantragen. All dies wäre ohne die Spenderinnen und Spender von Movember nicht möglich. Sie können stolz darauf sein, welchen Einfluss ihre Unterstützung auf die Männergesundheit in Deutschland hat.“
Die Initiative verbindet klinische Präzision mit echten Patientenerfahrungen – ein Ansatz, der inzwischen auch Forschung in der Brustkrebs-, Darmkrebs- und Lungenkrebsmedizin inspiriert hat. Aus ihr sind zahlreiche wissenschaftliche Publikationen hervorgegangen: von der Validierung der deutschen EPIC-26-Version über Studien zur psychologischen Unterstützung bis hin zu Untersuchungen zu Inkontinenz und funktionellen Verläufen.
Der neue deutsche Bericht zeigt eindrucksvoll die weitreichende Bedeutung der Initiative – und wie wichtig es ist, Patienten aktiv einzubeziehen. Er macht sichtbar, wie sehr Prostatakrebs das Leben eines Mannes verändern kann, und weist den Weg zu einer Versorgung, die den Menschen ganzheitlich in den Mittelpunkt stellt.